".. das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant.“
(Dr. Moshé Feldenkrais)
Monikas wunderschönes Stutfohlen, zehn Wochen alt, verfängt sich über Nacht mit beiden Hinterbeinen in der unteren E-Zaunlitze (2cm - Breitband), die zu der Zeit keinen Strom führte. Es ist mehrere Stunden eingewickelt und wird erst morgens entdeckt.
Beide Hinterbeine haben eine tiefe Schnürung, das eine Hinterbein ist rund um das Sprunggelenk sichtbar bis auf Sehne und Knochen durchtrennt. Große Hautfetzen hängen in Lappen herab. Monika bringt Stute und Fohlen zur nächsten, ihr bekannten und sehr beeindruckenden Tierklinik. Die Erstversorgung des Fohlens verläuft chirurgisch routiniert und versiert. Die Wunden werden gesäubert und von allen überflüssigen Hautfetzen radikal befreit. Ein großer verband wird angelegt, die wunde selber mit Zink - Lebertransalbe abgedeckt. Das Fohlen wird 5-fach abgedeckt mit Antibiotika und Schmerzmitteln.
Ich besichtige es nach fünf Tagen. Es sieht gut aus. Sein Stoffwechsel läuft, die Verdauung funktioniert. Es liegt und steht auf, wandert durch die Box, ist durch die Medikamente runter beruhigt, nimmt jedoch Anteil.
Monika ist sehr besorgt. Der Tierarzt stufte die Verletzung als sehr schwer ein: "Wenn die Stute mit derselben Verletzung gekommen wäre, hätte ich sie gleich eingeschläfert!" (Außerdem hatte er sich bei Anlieferung unterschreiben lassen, dass er das Fohlen notfalls unabgefragt einschläfern lassen kann!). Auf mein Nachfragen, wie er die Verletzung beurteilt, sagte er, die kritische Phase beginne nach zehn Tagen. Dann könnten wir sehen, ob die Sehne abfault oder standhält!!! Woran er sieht, dass die Sehne abfault, wollte er uns nicht sagen! Den Verband aufzumachen nach fünf Tagen hatte er Bedenken - so selten wie möglich - also acht Tage!!!!
Monika ist gut ausgebildet, ist sensibel und har Erfahrung in Traum-Therapie. Ihren Wunsch an dieser Stelle die Feldenkraisdiagnostik in Anspruch zu nehmen beurteile ich als richtig. Mein Blickwinkel ist geschultermassen anders als der des Tierarztes. Ich mache mir erst sorgen um Zwecklosigkeiten, z. B. ein nahendes Ende, wenn das Fohlen sich Sorgen macht oder die Stute. Bis dahin gilt immer der Versuch, das Natürliche, Bewegliche, Atmende, Stoffwechselfreundliche zu unterstützen und zu erschauen, wie das betreute Wesen und sein Organismus reagiert.
Der Gesamteindruck: Die Box ist groß, dick mit Spänen abgestreut und mehr als sauber. Stute und fohlen werden sehr liebevoll behandelt. Das Fohlen ist ruhig, zutraulich, in guter Konstitution und berührbar. Die begleitende Stute ist sauer!! Und rossig!!! Herdenerfahren und von draußen kommend hängt sie sich über die Boxentür und wiehert schrill, rennt durch die Box, rempelt dabei das Fohlen unachtsam gegen die Wand, ist unzufrieden. Nach 5 - 8 Tagen könnte sie schon etwas mehr heruntergefahren sein in der Einstellung und im Energielevel. Etwas mehr Fürsorge zeigen für das Fohlen. Meine Anmerkung an den Tierarzt wird beantwortet mit:"Andere Stuten sind viel schlimmer" Meine Lösungsvorschläge: 1 - die Trennwand zwischen zwei Boxen herausnehmen. Das Fohlen soll und darf sich bewegen, die Stute will und muss sich bewegen. Und 2 - Die Stute braucht Nachbarn. Alle anderen Klinikpferde waren auf der anderen Seite des Hofes untergebracht. Dann zum Fohlen: Monika weist mich auf eine eigroße Muskelverklebung an der Schulter des Fohlens hin. Diese ist neu - jedoch woher? Der Tierarzt hat sie noch nicht bemerkt und hält das woher und wie damit umgehen für irrelevant. Wir wollen weit mehr, als ein Fohlen, das überlebt hat. Wir wollen, dass es insgesamt gut unterstützt wird.
Nach acht Tagen bin ich beim ersten Verbandswechsel dabei. Der Tierarzt dokumentiert seinen Widerstand gegen Feldenkrais ("Ich lasse mich nicht kontrollieren!"), indem er uns über die verabredete Uhrzeit hinaus fünf Stunden warten lässt. Die Wunde unter dem Verband sieht nach acht Tagen sehr gut aber auch extrem trocken aus. Etwaig noch übrig gebliebene Hautfetzen werden kühn heruntergerissen. Mir ist die Wunde zu knochentrocken. Aus meiner Erfahrung in Wundversorgung weiß ich, die zweimal 5-Markstück große Hauptwunde sollte feucht abgedeckt sein. Erst einige Tage warm und feucht, dann kalt und feucht. Des Weiteren denke ich durch Feldenkrais an die Kraftreserven in den Körperzellen und Nervenenden und gebe nicht im Voraus die evtl. angegriffene Sehne verloren. Außerdem läuft uns im Bezug auf die hohe medikamentöse Abdeckung des Fohlens die Zeit davon.
Ich empfehle für das Fohlen intensive Laserakupunktur mit einem hochprozentigen 90 - Watt - Impulslaser sowohl auf der offenen Wunde, als auch passend an Akupunkturpunkten. Das Fohlen wird am zehnten Behandlungstag zum Experten Dr. Petermann nach Melle überstellt. Direkt nach der ersten Akupunktur eitert die Wunde minutenlang. Die Medikamente werden abgesetzt. Die Wunde wird mit einer Calendula - Ecchinacea - Lösung feucht abgedeckt und neu verbunden. Der ganze Vorgang wird täglich wiederholt. Nach einigen Wochen bekommt Monika ein Leihgerät zur Laserakupunktur mit nachhause. Dann sieht man weiter mit Feldenkrais. Dr. Petermann hat einige solcher Wunden erfolgreich behandelt. Er schätzt den Schaden ebenfalls schwerwiegend ein, gibt jedoch die Prognose ab, dass es zukünftig zwar ein Narbengewebe geben wird, jedoch das Fohlen zur vollen Belastbarkeit heranwächst.
Das Fohlen kehrt nach wenigen Wochen heim in sein Winterquartier, das fohlengerecht mit holz eingezäunt wird.
Feldenkrais ist nicht nur ein Behandeln, sondern auch ein Beobachten und Empfehlen immer zur Unterstützung des Machbaren aus natürlichen Ressourcen.
Und das ist ein schönes Fohlen ML