Feldenkrais Gemeinschaft

LeitSatz

".. das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant.“

(Dr. Moshé Feldenkrais)

Therapiehund Liliyfee

Ein Tag im Leben des Therapiehundes Lilyfee im

Vitanas Senioren Centrum Edmundsthal Geesthacht

 

 

 6.00 Uhr   Der Tag beginnt mit einem Hundefrühstück mit hochwertigem Trockenfutter – hauptsächlich gesund. Dann um 6.30 Uhr ein Spaziergang am Ratzeburger See (dort wo schon des Öfteren das Ziel der Kaffeefahrt war) hier darf der Hund hinter Karnickeln herhüpfen, andere Hunde begrüßen, Uferböschungen durchfegen und im See die Enten besuchen. Um 7.00 Uhr folgt eine Autofahrt auf dem Rücksitz, gelassen, besonnen mit Blick auf den Verkehr.

 

Mit der Ankunft im Edmundsthal um 7.50 Uhr auf dem Waldparkplatz – Ungeduld beim Hund / Vorfreude – aber erst noch durchbürsten lassen. Dann strömen wir zum Haus. Der Mann im Forsthaus mault, Frauchen schleppt schwere Taschen und hat den Hund nicht an der Leine. Alle Gartenwerker begrüßen uns herzlich. Lily dreht Freudenehrenrunden um Herrn W. mit dem kleinen Trecker. Dieser hatte für sie die letzte Wurst aus dem Abseits gefischt, damals beim Mitarbeitergrillen, das ist nicht vergessen. Vorbei an der Geriatrie, immer sitzt dort Senior / Seniorin auf dem Bänkchen – rufen den Hund und streicheln ihn – erzählen, freuen sich…

 

Weiter geht es zum Senioren Centrum, oben sitzt Frau S. – winkt, ruft, jubelt – „wartet, ich komme „ – Lily, begeistert ob der Freude, dreht wieder Freudenehrenrunden, Frau S. und Lily treffen sich am Eingang. „Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als einen Hund, der sich über einen freut!“ Erste Kommandos erschallen „leg dich schön hin, Lily, bleib bei mir, warte, wir müssen schön warten!“

 

In Wirklichkeit müssen wir gar nicht warten. Irgendeine Station erwartet uns zur Unterstützung beim Frühstück für eine Gruppe oder einen einzelnen Menschen … Haupteingang … „einer wartet immer“. Zurzeit sitzt dort froh gesinnt Herr G., meist mit Zeitung, gegenseitige Begrüßung: „Da bist du ja, du Gauner!“ „Wie geht es Ihnen?“

 

Lily schaut sich um, welche Station ist dran. Aha – Wohnbereich 1 – hoch mit dem Fahrstuhl. Es ist Sonntag, das weiß auch Frau H. „da bist du ja wieder, dann ist es Sonntag! Ja ja, du stellst dich zu mir hin, das hat mein Robby auch immer so gemacht. Ich muss immer so viel essen, aber das magst du ja alles gar nicht, komm nachher wieder, ich bewahrte dir etwas von meinem Ei.“ Lily flitzt weiter zu Frau B., „Ach da bist du ja, wenn du kommst, weiß ich, dass Marie Luise auch gleich da ist…“

Gemeinsam bitten wir um den guten Start für einen schönen Tag – aus dem Bett, in das Bad, die Nöte der passenden Kleidung, den richtigen Ton mit den Mitbewohnern. Frau B.s letzter echter Freund war ein Nachbarhund namens Mister.

 

8.30 Uhr   WB 1 Neubau formiert sich zum Frühstück. Ehepaar H., Hunde erfahren, begrüßt den Hund herzlich. Team-Chef G. mit Krückstock „nein, jetzt machst du da Platz. So ist es brav.“ Frau T., Frau C.: „der Hund muss was trinken hat die Vogeltränke Wasser – wir lassen ihn auf die Terrasse – der Hund will wieder herein etc.“ Ein großes Herz für Hunde im Neubau 1 und auch mal was Leckeres…

 

… derweil geht Frauchen durch die Station, baut das Setting für den Morgenkreis auf, erinnert und motiviert Bewohner zur Teilnahme.

 

9.30 – 11.30 Uhr Morgenkreis sonntags WB 1, montags WB 2, auch für Bewohner WB 3 aus dem geschützten Flur für dementiell erkrankte Menschen. Therapiehund Lily liegt unter dem Sofa – zu viel Bälle, zu laut der Gesang – dicht bei ihr die Hundehalter „ich passe auf den Hund auf.“ „Nein Hundchen, komm doch mal her, ich habe etwas für dich.“

Jeden Tag eine Gruppe und dann geht Frauchen durch das Haus. Wo ist jemand schwach, wo sind die stillen Menschen, ist jemand zu traurig oder zu frech. Hat da einer Schmerzen, wer braucht ein Wort, ein Lied, ein Ohr. Kann man einer Runde zur Kaffeezeit eine schöne Stunde bescheren.

 

Bis 17.30 Uhr muss Therapiehund Lilyfee unterscheiden: „Bin ich erwünscht, gar ersehnt, wer freut sich zaghaft, wer jubelt mir zu, wer hat ein Leckerli und wer auf keinen Fall.“

Die Pause ist der Weg zum Bewohner Service hin zur Freude und Versuchung Die Leckerlis warten, „nein, nicht über den Tresen springen, Lily, schön hinten zur Tür kommen.“ Zurück ein Schluck Wasser aus dem Vitanas Brunnen und mal eben bei den Stallhasen vorbeigucken.

 

Dann geht es weiter – um 17.30 Uhr sitzt Lily wieder im Auto. Auf der Rückfahrt denk sie nach: „schau mal, er will gerne gestreichelt werden“ „ich freue mich über den Hund, weil ich nicht mehr gut reden (hören) kann“ „wer gibt denn mal dem Hund etwas, alle passen nur auf sich auf, keiner sorgt für den Hund“ „Sitz, Platz, Fuß, Hierher“ „Wir müssen den Hund noch bürsten“ „dies ist eine Seniorenanlage, da gehört ein Hund nicht hin“ oder – wie bewegend –

 

            Maximus ist nicht behindert

            Maximus ist mein Freund

            Maximus beschützt mich

 

und zum Besucher „Sie brauchen keine Angst zu haben.“ „Maximus und ich haben alles fest im Griff.“ Lily ist hier und heute Maximus. Im vorigen Lebensabschnitt war Maximus der Hund, der die Kasse bewachte, den Namen trug auch die letzte kleine Katze.

 

Zum Tagesausklang nach der Rückfahrt erleichtert Lily sich von Disziplin und Stress mit einem wiederum schwungvollen Sprint am Seeufer des Ratzeburger Sees entlang.

 

 

 

Epilog

 

Lilyfee ist ein Mischling aus Border Collie (dem Einstein unter den Hunden) und einer schwarzen Cockerspanielhündin. Diese sind familienfreundlich und warmherzig, ehemals Jagdhunde.

Als Hütehundmischling ist sie genetisch sehr gut geeignet, um sich einer Gruppe von Menschen aufgabenorientiert  zugehörig zu fühlen. Sie ist 7 Jahre alt und hat damit die nötige Reife für ihre Aufgabe. In ihren Jugendjahren unter mehreren Hunden konnte sie sich gründlich austoben.

Lilyfee liebt ihre Arbeit, da sie geistig sehr rege ist und seelisch von hoher Feinfühligkeit. Eure Freude ist ihre Freude.

 

 

 

Anmerkung:

 

Ein Besucherhund oder Besuch von Hunden an einzelne oder eine zusammengestellte Gruppe haben immer therapeutische Wirkung, ebenso wie ein hauseigener Hund.

Dabei handelt es sich nicht um das Revier eines Hundes, sondern um seinen Arbeitsplatz. Ein Therapiehund ist in seiner Motorik fein abgestimmt und in seinem Nervenkostüm ausgeglichen belastbar. Anspringen, Anrempeln oder Anbellen von Bewohnern oder Besuchern sind untragbar. In seiner Gesundheit ist der Therapiehund mehr durch den Bewohner gefährdet als umgekehrt. Ein Therapiehund kennt seine Kommandos und seinen Auftrag und führt diesen auf leise Anweisungen aus.

 




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